Für den WM-Traum ist man nie zu alt

Alfred Kalkbrenner hat im Sportschießen beinahe alles erreicht: Staatsmeistertitel, österreichische Rekorde und eine „ganze Kiste“ voller Medaillen. Ans Aufhören denkt der 76-Jährige vom SSV Lackendorf trotzdem noch nicht. Denn ein großer Traum ist bislang unerfüllt geblieben: das Antreten bei einer Weltmeisterschaft. Was ihm früher sein Beruf unmöglich machte, könnte nun im hohen Sportleralter doch noch Realität werden.

Der Zeitpunkt abzutreten, wäre eigentlich schon perfekt gewesen: Sechs Gold-, sechs Silber- und eine Bronzemedaille bei österreichischen Meisterschaften holte Alfred Kalkbrenner im vergangenen Jahr. „Das ist der Höhepunkt – und da hört man auf“, dachte sich Kalkbrenner.

Aber daraus wurde nichts. Auch 2026 schoss Kalkbrenner weiter – und wie. Bei den Staatsmeisterschaften im März in Wolfsberg stellte er mit der Luftpistole aufgelegt in der Klasse Senioren II gleich zwei neue österreichische Rekorde auf: 395 von 400 Ringe in der Einzelwertung sowie 1168 Ringe mit der Mannschaft. Mit dem Luftgewehr aufgelegt kamen Silber im Einzel und Bronze mit der Mannschaft hinzu. „Mal schauen, wie lange die Rekorde halten“, schmunzelt der ehrgeizige Kalkbrenner, der am Rekord-Tag seinen 76. Geburtstag feierte und sich damit quasi selbst ein besonderes Geschenk machte. 

Vom Jäger zum Sportschützen

Dabei begann seine außergewöhnliche Laufbahn nicht auf dem klassischen Weg. Kalkbrenner, Jahrgang 1950 und langjähriger Inhaber einer Autowerkstatt in Schwendgraben, die mittlerweile von seinem Sohn weitergeführt wird, kam über die Jagd zum Schießen.

Zunächst reizte ihn das jagdliche Schießen, später das Tontaubenschießen. Sein selbst gestecktes Ziel: alle 25 Tauben mit jeweils einem Schuss zu treffen. „Wenn ich das erreiche, dann höre ich auf“, nahm er sich damals vor. Er erreichte es – und hörte tatsächlich auf. Aber nur mit dem Tontaubenschießen.

Mit 43 Jahren entdeckte Kalkbrenner schließlich das Kleinkaliber- und Luftdruckschießen für sich. Schnell zeigte sich, dass ihm die neue sportliche Herausforderung lag. „Es war sicher auch ein bissl Talent dabei. Ich war eigentlich immer vorne dabei.“ Es folgten Jahrzehnte voller Erfolge mit Luftgewehr, Luftpistole, Kleinkalibergewehr, Freier Pistole und weiteren Disziplinen. Landesmeisterschaften, österreichische Meisterschaften, ASVÖ Trophy, Länderkämpfe, Runden- und Bezirksmeisterschaften – Kalkbrenner sammelte Titel und Medaillen in einer Zahl, die er selbst längst nicht mehr auswendig kennt. Zuhause liegt, wie er erzählt, eine „ganze Kiste mit Medaillen“.

Atmen, abschalten, treffen

Talent alleine reichten für diese Erfolge aber nicht aus. Sportschießen ist für ihn vor allem Kopfsache. „Konzentration braucht man. Man muss so weit kommen, dass man komplett abschalten kann.“ Über Jahrzehnte hat er dafür seinen eigenen Rhythmus perfektioniert. Einatmen. Ausatmen. Ruhig werden. „Ich atme in den Bauch, dann merke ich, wie ich ruhig werde. Dann halte ich die Luft an und zwischen drei und fünf Sekunden muss der Schuss fallen. Da ist man am ruhigsten.“

Trainieren lässt sich das für ihn beinahe überall. Selbst beim Fernsehen. Läuft ein Autorennen, dreht Kalkbrenner schon einmal den Ton ab und konzentriert sich auf seine Atemtechnik. Für ihn ist das nicht nur Training für den nächsten Wettkampf: Konzentration, Fokus und die Fähigkeit, bewusst ruhig zu werden, würden auch in vielen anderen Lebenssituationen helfen. Dazu kommen zwei Grundsätze, die für ihn seit Jahrzehnten dazugehören: kein Alkohol und nicht rauchen.

Mehr als 30 Jahre für seinen Verein

Mindestens genauso eindrucksvoll wie Kalkbrenners sportliche Karriere ist sein Engagement für den SSV Lackendorf. Ab 1994 war er Schützenmeister und damit Obmann-Stellvertreter des damaligen SSV Oberpullendorf. 2001 zog der Vereine um und wurde zum SSV Lackendorf. Von 2005 bis April 2026 stand Kalkbrenner schließlich als Oberschützenmeister an dessen Spitze.

Besonders wichtig war ihm dabei immer der Nachwuchs. Zeitweise betreute er rund zehn Jugendliche gleichzeitig. „Es war kein einziger Schütze dabei, der nicht Landesmeister wurde“, erzählt er stolz. Erfolge seien gerade bei jungen Sportlerinnen und Sportlern wichtig, um die Begeisterung langfristig aufrechtzuerhalten. Gleichzeitig weiß Kalkbrenner, wie schwierig Nachwuchsarbeit heute geworden ist. Das Freizeitangebot für Kinder und Jugendliche sei enorm gewachsen. Umso wichtiger sei es, junge Menschen gezielt zu fördern, ihnen Zeit zu geben und Erfolgserlebnisse zu ermöglichen.

Der Traum, für den früher die Zeit fehlte

Eine Sache blieb Kalkbrenner während seiner langen Karriere verwehrt. International wollte er schon früher antreten. In Ungarn sammelte er auch entsprechende Erfahrungen. Für den ganz großen Schritt fehlte ihm allerdings aufgrund beruflicher Verpflichtungen die Zeit. Als Inhaber seiner Autowerkstatt ließ sich der Aufwand für internationale Wettkämpfe mit dem Betrieb nicht vereinbaren.

Heute ist die Situation eine andere. Der Betrieb ist längst an seinen Sohn übergeben. Zeit wäre vorhanden. Und das Leistungsniveau offensichtlich auch. Deshalb gibt es diesen einen Gedanken, der Kalkbrenner noch immer reizt: eine Weltmeisterschaft.

Ob er sich diesen Traum tatsächlich erfüllen kann, hängt derzeit weniger von Ringzahlen als von seiner Gesundheit ab. In diesem Jahr musste er bereits etwas zurückstecken. Wenn medizinisch alles passt, will Kalkbrenner aber weitermachen. „Ich glaube schon, dass ich noch ein, zwei Jahre schieße und wenn es die Gesundheit zulässt, könnte ich mir eine Teilnahme an einer WM vorstellen. Das wäre ein Traum von mir.“ 

Dass das Alter dabei nicht zwingend die Grenze setzen muss, sieht Kalkbrenner in seinem eigenen Umfeld. Einer seiner Freunde betreibt mit 95 Jahren noch jagdliches Schießen.

Und so klingt Alfred Kalkbrenner auch mit 76 Jahren nicht wie jemand, der seine Sportgeräte endgültig zur Seite legen möchte. „Solange es noch halbwegs geht, möchte ich es machen.“ Vielleicht führt ihn einer seiner nächsten Wettkämpfe dann tatsächlich dorthin, wo er während seiner jahrzehntelangen Karriere nie hinkam: zu einer Weltmeisterschaft.

Wer einmal in den Schießsport hineinschnuppern möchte, darf das beim SSV Lackendorf tun. Jeden Montag und Freitag wird von 18.00 bis 20.00 Uhr trainiert. Für weitere Details steht Oberschützenmeister Martin Schlögl (0664/1000794) zur Verfügung. 

Unsere Top-Partner